Befangen in arg konventionellen Vorstellungen von "guter Literatur", ist Rinaldi und Naulleau offenbar noch nie aufgegangen, dass Houellebecqs Kunstgriff genau darin besteht, jede Art von korruptem Literaturgetue aus seinen Texten bewusst zu eliminieren, um stattdessen eine mausgraue Angestelltenprosa diesseits des akademischen Kunst- und Bildungsbetriebs zu erfinden. Die Stillosigkeit, die Houellebecq für sich in Anspruch nimmt und die ihm von Mitgliedern der Académie française natürlich übel genommen wird, ist deswegen kein Mangel. Sie ist vielmehr ein Verfahren, dem geschwätzigen Betrieb der Hochliteratur zu entgehen. Und zwar genau dorthin, wo den Kritikern nur noch Naserümpfen bleibt: in die Bahnhofskioske und Supermarktregale. Dort werden Bücher in der Tat nicht fürs Regal und für den sozialen Distinktionsgewinn erworben, sondern zum richtigen Lesen. Proust gegen Houellebecq auszuspielen, wie Angelo Rinaldi es tut, ist nicht nur billig, es ist von bestürzender Begriffsstutzigkeit. Im Übrigen zeugt es von eher bescheidener Kenntnis des Werks und seiner Zusammenhänge. Dass der "Bahnhofsliterat" kluge Einleitungen zu Auguste Comtes "Allgemeiner Religionstheorie" verfasst hat, geht im aufgeregten Invektivenhagel unter.